Wie erkläre ich einem Kind den Tod? Kindern Suizid erklären, ehrlich und behutsam
Wenn ein Mensch durch Suizid stirbt, fragen sich viele Eltern, was sie ihrem Kind sagen sollen. Hier lesen Sie, wie Sie Kindern Suizid erklären können, welche Worte helfen und wo Kinder und Eltern Unterstützung finden.

Das Wichtigste in Kürze
- Fachstellen raten, Kindern ehrlich zu sagen, was geschehen ist. Wenn man etwas verschweigt oder eine Notlüge erzählt, kann das später das Vertrauen belasten.
- Klare Wörter wie «tot» oder «gestorben» helfen. Umschreibungen wie «eingeschlafen» oder «weggegangen» können Kindern Angst machen.
- Zwei Botschaften sind nach einem Suizid zentral: Du bist nicht schuld. Die verstorbene Person hat dich geliebt.
- Kinder trauern in Etappen. Spielen und Lachen gehören dazu und bedeuten nicht, dass ein Kind nicht trauert.
- Kinder und Jugendliche erreichen die Beratung 147 rund um die Uhr. Eltern können sich an die Pro Juventute Elternberatung wenden.
Wenn ein Mensch durch Suizid stirbt, müssen Eltern und Bezugspersonen oft schon in den ersten Stunden entscheiden, was sie einem Kind sagen. Dieser Artikel zeigt, wie Sie Kindern den Tod und einen Suizid erklären können, was Kinder in dieser Zeit brauchen und wo Familien Hilfe finden. Dazu gehören zwei Videogespräche aus unserem früheren Blog: mit einem Notfallpsychologen und mit einem Mann, der als Kind seinen Vater durch Suizid verloren hat.
Mit dem Kind über den Tod sprechen: die ersten Schritte
Notizen
Wie erkläre ich einem Kind den Tod?
Sagen Sie Ihrem Kind ehrlich und mit einfachen Worten, dass die Person gestorben ist und nicht mehr zurückkommt. Laut Pro Juventute spüren Kinder sofort, wenn etwas nicht stimmt. Wenn niemand mit ihnen spricht, machen sie sich eigene Gedanken, und diese sind oft beängstigender als die Wirklichkeit.
Diese Punkte helfen beim Gespräch:
- Klare Wörter. Jüngere Kinder nehmen Sätze wie «Er ist eingeschlafen» wörtlich. Das kann Angst vor dem Schlafen auslösen.
- Den Tod erklären. Die Broschüre «Den Kindern helfen» schlägt vor, den Tod als Zustand zu beschreiben, in dem der Körper aufhört zu arbeiten: Das Herz schlägt nicht mehr, der Mensch kann sich nicht mehr bewegen.
- So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Zuerst braucht das Kind nur die Nachricht, dass die Person gestorben ist. Weitere Fragen kommen oft später.
- Ehrlich sein, auch beim Nichtwissen. Wenn Sie etwas nicht wissen, dürfen Sie das sagen. Sie können das Kind fragen, was es selbst denkt.
- Gefühle zeigen. Sie dürfen vor Ihrem Kind weinen. So lernt es, dass Traurigsein in Ordnung ist.
Sie kennen Ihr Kind am besten. Die Broschüre ermutigt Eltern, der eigenen Intuition zu vertrauen und eine Sprache zu wählen, mit der sie sich wohlfühlen.
Kindern Suizid erklären: Was soll ich sagen?
Fachstellen in der Schweiz raten, bei der Wahrheit zu bleiben, ohne das Kind mit belastenden Einzelheiten zu überfordern. Laut reden-kann-retten.ch, einer vom Bundesamt für Gesundheit unterstützten Website, können Notlügen später zu einem Vertrauensverlust führen.
Für den Trauerprozess ist es wichtig zu wissen, wie eine Person gestorben ist. Kinder hören zudem manches zufällig mit oder schnappen von anderen Kindern oder in der Nachbarschaft Halbwahrheiten auf. Laut der Broschüre berichten Eltern oft von grosser Erleichterung, nachdem sie mit ihren Kindern gesprochen haben. Auch kleine Kinder nehmen die Nachricht oft sehr sachlich auf.
Viele Kinder kennen das Wort «Suizid» nicht. Pro Juventute schlägt als mögliche Erklärung vor: «Die verstorbene Person hat etwas getan, damit sie nicht mehr lebt oder damit ihr Körper aufhört zu leben.» Fragen Sie danach nach, was Ihr Kind verstanden hat und was es vielleicht schon gehört hat.
Nach einem Suizid braucht ein Kind zwei Botschaften, und das oft wiederholt:
- Du bist nicht schuld am Tod.
- Die verstorbene Person hat dich geliebt, auch wenn sie in grosser Not war.
Besonders mit Jugendlichen ist es laut Pro Juventute wichtig, darüber zu sprechen, dass es in schwierigen Situationen immer andere Wege gibt und dass man sich jemandem anvertrauen und Hilfe holen kann. Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Kind machen, ermutigen Sie es, über seine Gefühle und Ängste zu sprechen, und holen Sie fachliche Unterstützung.
Wie trauern Kinder?
Kinder trauern anders als Erwachsene: in Etappen und mit wechselnden Gefühlen. Ein Kind kann in einem Moment weinen und kurz darauf spielen. Laut reden-kann-retten.ch schützen sich Kinder so vor Überforderung.
Die Broschüre «Den Kindern helfen» beschreibt, dass Kinder Trauer oft durch ihr Verhalten zeigen. Sie können anhänglich, nervös oder reizbar sein, sich schlecht konzentrieren oder Beerdigungen nachspielen. Viele haben Angst, dass noch jemand stirbt. Darum hilft es, dem Kind genau zu sagen, wann und warum Sie weggehen und wann Sie zurückkommen.
Was Kinder stärkt:
- ein gewohnter Tagesablauf mit klaren Zeiten, etwa beim Zubettgehen
- Zuwendung, Umarmungen und Ihre Nähe
- Zeiten ohne Trauer: Spielen, Sport, Freundinnen und Freunde
- Malen, Basteln oder Spielen, um Gefühle auszudrücken
- ein Erinnerungsbuch, eine Erinnerungskiste oder ein Fotoalbum
Mehr zum Umgang mit der eigenen Trauer lesen Sie im Beitrag Trauerhilfe: Tipps zur Trauerbewältigung nach einem Todesfall.
Abschied, Aufbahrung und Abdankung mit Kindern
Kinder dürfen an der Abdankung teilnehmen, wenn sie es möchten und es möglich ist. Laut Pro Juventute ist dies eine gute Gelegenheit, Abschied zu nehmen und den Tod besser zu begreifen.
Die Broschüre «Den Kindern helfen» rät, das Kind gut vorzubereiten. Erklären Sie, wo und wann die Feier stattfindet, wo der Sarg steht, wer kommt und dass manche Menschen weinen werden. Eine vertraute Person, die weniger betroffen ist, kann das Kind begleiten und mit ihm hinausgehen, wenn es unruhig wird. Kinder können den Abschied mitgestalten, zum Beispiel mit einer Zeichnung, einem Brief oder einem Blumenstrauss für den Sarg.
Ob ein Kind die verstorbene Person bei der Aufbahrung sehen soll, hängt nach einem Suizid von den Umständen ab. Die Broschüre empfiehlt, dass Eltern zuerst allein in den Raum gehen. So können sie dem Kind beschreiben, was es erwartet. Die Wünsche des Kindes sollen dabei respektiert werden. Ob Sie mit Ihrem Kind allein Abschied nehmen können, besprechen Sie mit dem Bestattungsinstitut. Vieles rund um die Bestattung übernimmt das Institut. Einen Überblick über die Abläufe finden Sie unter Todesfall in der Schweiz: die ersten Schritte.
Todesanzeige, Schule und Umfeld: Was das Kind wissen sollte
Ihr Kind sollte von Ihnen erfahren, was geschehen ist, bevor es davon in einer Todesanzeige liest oder von anderen hört. Viele Menschen sprechen nach einem Todesfall darüber, und Kinder bekommen das mit.
Wenn Ihr Kind möchte, kann es bei der Todesanzeige mitwirken. Pro Juventute empfiehlt, Kinder an Entscheidungen zu beteiligen. Das gibt ihnen ein Gefühl von Kontrolle und mindert die Hilflosigkeit. Wie Sie eine Anzeige aufbauen, lesen Sie unter Wie schreibe ich eine Todesanzeige?.
Informieren Sie die Lehrperson. Laut der Broschüre kann sie dann beobachten, ob sich das Verhalten des Kindes verändert. Viele Kinder verhalten sich nach aussen, als sei nichts passiert, und behalten ihre Gefühle für sich, um andere zu schützen. Sprechen Sie darum auch in den Wochen danach mit Ihrem Kind darüber, wie es ihm geht.
Zwei Gespräche zum Suizid eines Elternteils
In zwei Videogesprächen aus unserem früheren Blog geht es um den Suizid eines Elternteils. Die Gespräche führte Julia Zink.
Im ersten Gespräch erklärt der Notfallpsychologe Franz Holderegger, was ein Suizid für die einzelnen Familienmitglieder bedeutet und wie man eine Familie in den ersten Stunden unterstützen kann. Er spricht darüber, wer den Kindern das Geschehene erklärt und mit welchen Worten, wie es für das Kind in der Schule weitergeht und was Lehrpersonen und Angehörige beitragen können.
Im zweiten Gespräch erzählt Frank Richter, der als sechsjähriges Kind seinen Vater durch Suizid verloren hat: woran er sich erinnert, wer ihm erklärt hat, was geschehen war, wie er im Alltag damit umging und was er sich anders gewünscht hätte.
Wo finden Kinder und Eltern Hilfe?
Kinder, Jugendliche und Eltern müssen das nicht allein tragen. Diese Angebote sind auf Familien und Hinterbliebene nach einem Suizid ausgerichtet. Stand der Angaben: Oktober 2026.
- 147 für Kinder und Jugendliche: Die Beratung von Pro Juventute ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und vertraulich, per Telefon 147, WhatsApp oder E-Mail.
- Pro Juventute Elternberatung: vertraulich per Telefon 058 261 61 61, WhatsApp oder E-Mail.
- Die Dargebotene Hand: Telefon 143, für Erwachsene in Krisen.
- Trauernetz: Informationen und Kontakte für Menschen nach einem Suizid in der Familie.
- Refugium: Verein für Hinterbliebene nach Suizid, mit Selbsthilfegruppen und Begleitung durch Menschen, die Ähnliches erlebt haben.
- Nebelmeer: Treffen für junge Menschen, die einen Elternteil durch Suizid verloren haben.
- Lifewith: Selbsthilfegruppe für junge Menschen, die eine Schwester oder einen Bruder verloren haben.

Achten Sie auch auf sich selbst. Laut reden-kann-retten.ch sind Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, ständige Müdigkeit oder Appetitlosigkeit Zeichen einer Belastung. Halten sie lange an oder werden sie stärker, sollten Sie Hilfe suchen. Wenn Sie selbst Suizidgedanken haben, sprechen Sie sofort mit jemandem, zum Beispiel unter Telefon 143.
Kinderbücher über den Tod
Ein Kinderbuch kann helfen, mit einem Kind ins Gespräch zu kommen. Pro Juventute nennt das Vorlesen aus einem Kinderbuch zum Thema Tod und Abschied als eines der Rituale, die Kindern helfen können.
Das Buch «Kommt Papa gleich wieder?» von Elke Thompson erzählt vom plötzlichen Tod eines Vaters. Ein Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut erklärt darin, wie Kinder nach einem Verlust trauern. Die Autorin empfiehlt es ab 4 Jahren. Weitere Buchtipps für Eltern und Kinder finden Sie in der Broschüre «Den Kindern helfen» auf reden-kann-retten.ch.
Häufige Fragen
Soll ich meinem Kind sagen, dass es ein Suizid war?
Schweizer Fachstellen raten dazu, bei der Wahrheit zu bleiben. Kinder spüren meist, wenn man ihnen etwas verheimlicht. Eine Notlüge kann später das Vertrauen in die Eltern erschüttern. Belastende Einzelheiten zum Hergang braucht ein Kind dagegen nicht.
Mit welchen Worten kann ich einem kleinen Kind Suizid erklären?
Viele Kinder kennen das Wort «Suizid» nicht. Pro Juventute schlägt zum Beispiel vor zu sagen, dass die verstorbene Person etwas getan hat, damit ihr Körper aufhört zu leben. Fragen Sie danach, was Ihr Kind verstanden hat, und lassen Sie sich von seinen Fragen leiten.
Darf ein Kind an der Abdankung teilnehmen?
Ja, wenn es möchte und es möglich ist. Fachstellen sehen die Abdankung als gute Gelegenheit, Abschied zu nehmen und den Tod besser zu begreifen. Erklären Sie dem Kind vorher, was es erwartet. Eine vertraute Person, die weniger betroffen ist, kann das Kind begleiten.
Soll mein Kind bei der Todesanzeige mithelfen?
Das ist möglich, wenn das Kind es möchte. Fachstellen empfehlen, Kinder an Entscheidungen zu beteiligen, weil das ihr Gefühl von Hilflosigkeit mindert. Wichtig ist auch, dass das Kind von Ihnen erfährt, was geschehen ist, bevor es davon in einer Todesanzeige liest oder von anderen hört.
Wo finden Kinder nach dem Suizid eines Elternteils Hilfe?
Kinder und Jugendliche erreichen die Beratung 147 von Pro Juventute kostenlos und vertraulich per Telefon, WhatsApp oder E-Mail. Für junge Menschen, die einen Elternteil durch Suizid verloren haben, gibt es die Gruppe Nebelmeer. Eltern finden Unterstützung bei der Pro Juventute Elternberatung unter 058 261 61 61, Stand: Oktober 2026.
Quellen und weiterführende Links
- Pro Juventute: Mit Kindern über den Tod sprechen (abgerufen 2026)
- reden-kann-retten.ch (unterstützt vom BAG und Kanton Zürich): Den Kindern helfen. Wie Sie Kinder nach einem Suizid unterstützen können, Broschüre (2. Auflage 2015, PDF 2025)
- reden-kann-retten.ch: Suizid verarbeiten (2026)
- reden-kann-retten.ch: Das Gespräch suchen (2026)
- reden-kann-retten.ch: Direkt nach einem Suizid, häufige Fragen (2026)
- reden-kann-retten.ch: Adressen für Hinterbliebene (2026)
- 147.ch: Beratung für Kinder und Jugendliche (2026)
- Elke Thompson: Kommt Papa gleich wieder? (Buchseite der Autorin)
Nicolas HaelgMitgründer und Co-GeschäftsführerNicolas Haelg verantwortet mit Trauerportal den Ratgeber, der Angehörigen in der Schweiz die Schritte nach einem Todesfall verständlich erklärt.Mit KI recherchiert, von Nicolas Haelg geprüft

