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Wie begegne ich einer trauernden Person? Wie kann ich sie trösten?

Trösten heisst vor allem: da sein, zuhören und die Trauer nicht kleinreden. Hier erfahren Sie, was Sie einer trauernden Person sagen können, wie Sie kondolieren und wie Sie über die ersten Wochen hinaus helfen.

Nicolas HaelgTrauerportalVeröffentlicht am 5 Min. Lesezeit
Hand liegt tröstend auf der Schulter eines älteren Menschen
Bild: Foto: Becky Geist / Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein ernst gemeintes «Mein Beileid» sagt oft schon alles. Sätze wie «Kopf hoch, das Leben geht weiter» wirken verständnislos.
  • Zuhören und Stille aushalten hilft mehr als Ratschläge, Anekdoten oder Ablenkung.
  • Bieten Sie konkrete Hilfe an, etwa Kochen, Einkaufen oder Putzen, und fragen Sie ruhig mehrmals nach.
  • Sprechen Sie über die verstorbene Person. Der Verlust ist für Trauernde ohnehin jeden Tag da.
  • In einer Krise hilft Die Dargebotene Hand anonym und vertraulich unter Telefon 143, per Chat oder Mail.
Inhalt · 7 Abschnitte

Viele Menschen möchten nach einem Todesfall für eine Freundin, einen Nachbarn oder eine Kollegin da sein. Sie wissen aber nicht, wie. Sie haben Angst, das Falsche zu sagen oder zu nahe zu treten. Dieser Artikel zeigt, wie Sie eine trauernde Person trösten, was Sie sagen und schreiben können und wie Sie auch später noch helfen.

Wie kann ich eine trauernde Person richtig trösten?

Richtig trösten heisst vor allem: da sein, zuhören und die Trauer so annehmen, wie sie ist. Sie müssen den Schmerz nicht wegnehmen und keine Antworten haben.

Die Psychiatriegruppe Clienia beschreibt, was Trauernden hilft:

  • Nachfragen: Fragen Sie, wie es der Person geht, und zeigen Sie ehrliches Interesse. Es kann entlasten, wenn Sie das Thema direkt und ernsthaft ansprechen.
  • Zuhören: Lassen Sie die Person erzählen und lassen Sie auch Stille zu. Wer von starken Gefühlen erfasst ist, kann sich meist schlecht auf Anekdoten oder Ablenkung einlassen.
  • Zeit lassen: Drängen Sie nicht. Trauernde brauchen die Zeit, die sie brauchen.
  • Nicht werten: Menschen reagieren unterschiedlich auf einen Verlust. Nehmen Sie die Art der Trauer hin, statt sie zu beurteilen.

Jeder Mensch trauert auf seine eigene Art, und es gibt keinen einheitlichen Plan dafür. Das hält auch das Palliativzentrum des Inselspitals Bern fest. Verzweiflung, Wut und Ohnmacht gehören dazu. Die Beratung 147 von Pro Juventute ergänzt: Wie jemand trauert, sagt nichts darüber aus, wie sehr die Person leidet. Manche weinen viel, andere funktionieren im Alltag und trauern im Stillen.

Das Gespräch mit Monica Lonoce

Monica Lonoce ist Trauer- und Prozessbegleiterin. Sie hat 2005 die Schule für Trauerbegleitung in der Schweiz gegründet und bildet seither Fachpersonen in der Begleitung von Trauernden aus. Im Video spricht Julia Zink mit ihr in der Reihe «Denkanstoss» über Fragen, die viele beschäftigen: Wie kondoliere ich richtig? Darf ich das per SMS tun, etwa mit dem Satz «Melde dich, wenn ich dir etwas Gutes tun kann»? Wann bin ich übergriffig? Und warum ist es so schwierig, die passenden Worte zu finden?

Video: Wie begegne ich einer trauernden Person? Wie kann ich sie trösten? (Vimeo)
«Überall im Alltag begegnen wir immer auch Trauer.»
Monica Lonoce, Gründerin der Schule für Trauerbegleitung (Quelle)

Was sage ich einer trauernden Person?

Ein ernst gemeintes «Mein Beileid» genügt oft. Kondolieren heisst, sein Beileid zu bezeugen, und dafür braucht es keine grossen Worte.

Der Schweizerische Verband der Bestattungsdienste (SVB) gibt dazu einige Hinweise:

  • «Mein Beileid» ist zwar eine feste Formel. Mit Ernst und Anteilnahme ausgesprochen, sagt sie aber alles, was nötig ist. Ob Sie «Mein Beileid» sagen oder «Ich kondoliere dir», ist weniger wichtig als die Haltung dahinter.
  • Wer der Familie näher steht, kann ein paar Worte über die verstorbene Person anfügen, zum Beispiel eine Erinnerung oder etwas, das Sie an ihr geschätzt haben.
  • Sätze wie «Kopf hoch, das Leben geht weiter» sind gut gemeint. Sie verkennen aber, wie tief die Trauer geht, und wirken eher verständnislos.
  • Kannten Sie die verstorbene Person nicht, kondolieren Sie den Hinterbliebenen, die Sie kennen. Tun Sie dann nicht so, als hätten Sie die verstorbene Person gekannt.

Sind Kinder dabei, achten Sie auf Ihre Worte. Das Palliativzentrum des Inselspitals rät davon ab, zu sagen, die Grossmutter oder eine andere Person sei «eingeschlafen». Kinder können sonst Angst vor dem eigenen Einschlafen entwickeln.

Darf ich per SMS oder Nachricht kondolieren?

Ja, wenn Sie der Familie nicht sehr nahestehen. Laut dem SVB kann man bei grösserem persönlichem Abstand mit einer handgeschriebenen Karte oder mit ein paar Zeilen per Internet kondolieren. Die Kunst liegt darin, in wenigen Worten etwas Ehrliches zu sagen.

Mit einem Brief können Sie Abstand wahren und trotzdem viel Mitgefühl zeigen. Ein Kondolenzschreiben ist laut dem SVB meist so aufgebaut:

  1. Anrede
  2. Einleitende Worte, zum Beispiel dass Sie vom Tod erfahren haben und betroffen sind
  3. Beileidsbekundung
  4. Persönlicher Bezug: wie Sie die verstorbene Person erlebt haben
  5. Ein Angebot zur Unterstützung, aber nur, wenn Sie es ehrlich meinen
  6. Zuversicht, etwa dass die Erinnerung bleibt
  7. Grussformel

An diese Reihenfolge müssen Sie sich nicht halten. Wenn Sie eine Karte schicken möchten, können Sie Trauerkarten über trauerportal.ch versenden.

Lesen Sie auch die Todesanzeige genau. Familien können dort festhalten, dass sie auf Beileidsbezeugungen und Beileidsbesuche verzichten möchten. Darauf weist der Ratgeber der Stadt Luzern hin. Diesen Wunsch respektieren Sie am besten.

Hilfe anbieten: konkret statt «Melde dich»

Konkrete Hilfe ist für Trauernde oft wertvoller als ein offenes Angebot. Manchen Trauernden fällt es schwer, sich selbst Hilfe zu holen, schreibt Clienia. Angehörige und Freunde dürfen deshalb auch mehrmals konkrete Hilfe anbieten, zum Beispiel Kochen, Putzen oder Einkaufen.

Mehrere Hände halten sich gegenseitig an den Handgelenken im Kreis, über einer Wiese
Bild: Trauerportal

Gerade in den ersten Tagen gibt es für die Familie viel zu organisieren, von der Meldung beim Bestattungsamt bis zur Abdankung. Pro Senectute ermutigt Angehörige ausdrücklich, Freunde dabei um Unterstützung zu bitten. Was in dieser Zeit ansteht, zeigt der Artikel Todesfall in der Schweiz: die ersten Schritte. So sehen Sie, wo Sie der Familie etwas abnehmen können.

Austausch mit Trauernden: auch nach Wochen und Monaten

Trauer dauert länger, als das Umfeld oft denkt. Laut Clienia können mehrere Jahre vergehen, bis ein neues Gleichgewicht gefunden ist. Bleiben Sie darum auch nach der Abdankung in Kontakt.

  • Immer wieder auf die Person zugehen: Trauernde ziehen sich oft zurück. Es hilft, wenn andere den Kontakt halten und Verständnis zeigen.
  • Die verstorbene Person erwähnen: Aus Unsicherheit meiden viele das Thema. Der Verlust ist für Trauernde aber ohnehin präsent, und ein offener Umgang hilft bei der Verarbeitung.
  • An besondere Tage denken: An Geburtstagen und Feiertagen wird der Verlust oft wieder stark spürbar, schreibt die Beratung 147. Eine Nachricht an solchen Tagen zeigt, dass Sie daran denken.
  • Auch Leichtes zulassen: Wieder zu leben und auch zu lachen, gehört zur Trauer dazu, auch wenn es zuerst ein schlechtes Gewissen machen kann. So steht es in der Broschüre des Palliativzentrums des Inselspitals.

Weitere Anregungen für die Zeit nach dem Verlust finden Sie im Artikel Trauerhilfe: Tipps zur Trauerbewältigung nach einem Todesfall.

Wann braucht es Fachleute?

Trauer ist eine normale Reaktion auf einen Verlust und braucht in der Regel keine Therapie. Fachliche Hilfe ist sinnvoll, wenn die Trauer sehr belastend wird, wenn jemand niemanden zum Reden hat oder wenn Suizidgedanken aufkommen.

Clienia empfiehlt, bei gesundheitsschädigendem Verhalten gemeinsam mit der trauernden Person zu überlegen, ob professionelle Unterstützung hilft. Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter unterstützen in Einzelgesprächen, in Trauergruppen oder in Trauercafés, wie der SVB beschreibt.

Pro Senectute nennt unter anderem diese Anlaufstellen:

  • Die Dargebotene Hand: anonym und vertraulich, unter Telefon 143, per Chat oder per Mail über 143.ch
  • Refugium: Verein für Hinterbliebene nach Suizid
  • Seelsorge.net: Seelsorge online
  • VIDUA Schweiz: Organisation für Verwitwete

Auch Sie dürfen sich Unterstützung holen, wenn Sie jemanden begleiten und dabei an Ihre Grenzen kommen.

Trauerbegleitung in Ihrer Nähe finden

Häufige Fragen

Was sage ich zu jemandem, der einen Menschen verloren hat?

Ein ernst gemeintes «Mein Beileid» genügt oft. Wer der Familie näher steht, kann ein paar persönliche Worte über die verstorbene Person anfügen. Sätze wie «Kopf hoch, das Leben geht weiter» sind gut gemeint, wirken aber verständnislos.

Sagt man «Ich kondoliere dir» oder «Mein Beileid»?

Beides drückt dasselbe aus: Kondolieren heisst, sein Beileid zu bezeugen. Wichtiger als die genaue Formel ist, dass Sie es ernst meinen. Wenn Sie die verstorbene Person nicht kannten, geben Sie nicht vor, sie gekannt zu haben.

Darf ich per SMS oder Nachricht kondolieren?

Laut dem Schweizerischen Verband der Bestattungsdienste kann man bei grösserem persönlichem Abstand mit einer handgeschriebenen Karte oder mit ein paar Zeilen per Internet kondolieren. Entscheidend ist eine ehrliche Aussage in wenigen Worten. Wer der Familie nahesteht, wählt oft das Gespräch, eine Karte oder einen Brief.

Wie kann ich einer trauernden Person konkret helfen?

Bieten Sie konkrete Hilfe an, zum Beispiel Kochen, Putzen oder Einkaufen, statt nur «Melde dich, wenn du etwas brauchst» zu sagen. Trauernden fällt es manchmal schwer, selbst um Hilfe zu bitten. Fragen Sie deshalb auch nach Wochen wieder nach.

Wann braucht eine trauernde Person professionelle Hilfe?

Trauer ist eine normale Reaktion auf einen Verlust und braucht in der Regel keine Therapie. Eine Trauerbegleitung kann helfen, wenn die Trauer sehr belastend ist oder jemand im Umfeld niemanden zum Reden hat. Bei Suizidgedanken oder gesundheitsschädigendem Verhalten ist Hilfe von Fachpersonen wichtig, zum Beispiel über Die Dargebotene Hand, Telefon 143.

Quellen und weiterführende Links

Nicolas HaelgMitgründer und Co-GeschäftsführerNicolas Haelg verantwortet mit Trauerportal den Ratgeber, der Angehörigen in der Schweiz die Schritte nach einem Todesfall verständlich erklärt.Mit KI recherchiert, von Nicolas Haelg geprüft

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