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Palliative Care und Palliativpflege: die letzte Lebenszeit in Würde verbringen

Palliative Care lindert Beschwerden bei unheilbarer Krankheit und unterstützt auch die Angehörigen. Was die 4 Säulen bedeuten, was nach der Palliativstation kommt und wer die Kosten trägt.

Nicolas HaelgTrauerportalVeröffentlicht am 7 Min. Lesezeit
Grossvater hebt lachend ein Kleinkind in die Höhe
Bild: Trauerportal

Das Wichtigste in Kürze

  • Palliative Care umfasst palliative Medizin, Pflege und Begleitung für Menschen mit unheilbaren, fortschreitenden Krankheiten und ihre Angehörigen.
  • Sie findet zu Hause, im Pflegeheim, auf der Palliativstation im Spital oder im Hospiz statt, möglichst dort, wo die kranke Person es wünscht.
  • Die Palliativstation ist für einen begrenzten Aufenthalt gedacht. Danach geht es nach Hause, ins Pflegeheim oder ins Hospiz.
  • Für Pflege zu Hause zahlen Versicherte höchstens CHF 15.35 pro Tag selbst, dazu Franchise und Selbstbehalt. Stand: Oktober 2026.
  • Angestellte haben Anspruch auf höchstens drei Tage Urlaub pro Ereignis und zehn Tage pro Jahr, um Angehörige zu betreuen.
Inhalt · 7 Abschnitte

Palliative Care begleitet Menschen mit einer unheilbaren Krankheit und ihre Angehörigen. Sie lindert Schmerzen und andere Beschwerden und soll die verbleibende Zeit so gut wie möglich machen. Hier erfahren Sie, wo Palliative Care stattfindet, was nach der Palliativstation kommt, wer die Kosten trägt und welche Unterstützung Angehörige erhalten.

TrauerportalRatgeber

Palliative Care organisieren: die ersten Schritte

Notizen

Was ist Palliative Care?

Palliative Care ist die Betreuung und Behandlung von Menschen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen oder chronisch fortschreitenden Krankheiten. Ihr Ziel ist die bestmögliche Lebensqualität bis zum Tod, für die kranke Person und für die Menschen, die ihr nahestehen.

Laut der Fachgesellschaft palliative.ch ist Palliative Care der umfassende Begriff, der palliative Medizin, Pflege und Begleitung einschliesst. Palliativpflege ist also der pflegerische Teil davon. Palliative Care beabsichtigt weder, den Tod zu beschleunigen, noch, ihn zu verzögern. Sie sieht das Sterben als normalen Prozess.

Palliative Care ist nicht nur für Menschen mit Krebs gedacht. Sie richtet sich an alle, die an einer fortschreitenden, nicht heilbaren Krankheit leiden, zum Beispiel an amyotropher Lateralsklerose, kurz ALS, oder an Herzinsuffizienz. Man muss auch nicht im Sterben liegen: Palliative Care kann lange vor der letzten Lebensphase beginnen, auch neben Therapien wie Chemotherapie oder Bestrahlung.

Die 4 Säulen der Palliativmedizin: was damit gemeint ist

Der Begriff «4 Säulen der Palliativmedizin» wird unterschiedlich verwendet. Das Bundesamt für Gesundheit und palliative.ch beschreiben Palliative Care über vier Bereiche, die zusammengehören:

  • Körperlich: medizinische Behandlung und Pflege, etwa gegen Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit.
  • Psychologisch: Unterstützung bei seelischen Belastungen wie Angst.
  • Sozial: Unterstützung der kranken Person und ihres Umfelds, auch der Angehörigen.
  • Spirituell: Begleitung bei spirituellen und religiösen Anliegen.

Darum arbeitet in der Palliative Care oft ein multiprofessionelles Team. Das ist ein Team aus verschiedenen Berufen, zum Beispiel Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Ärzte, Seelsorgende, Sozialarbeitende und Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. Geschulte Freiwillige ergänzen die Betreuung, im Spital, im Heim oder zu Hause.

Wo findet Palliative Care statt?

Palliative Care findet möglichst an dem Ort statt, den die kranke Person wünscht: zu Hause, im Pflegeheim, im Spital oder im Hospiz. Viele Menschen möchten auch bei schwerer Krankheit in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

Fachleute unterscheiden zwei Stufen. Die allgemeine Palliative Care deckt laut dem Kanton Zürich die Bedürfnisse von rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten ab. Erste Ansprechpersonen sind oft die Hausärztin oder der Hausarzt, dazu kommen die Spitex und die Pflegeheime. Die spezialisierte Palliative Care brauchen die übrigen rund 20 Prozent, etwa wenn die Krankheit instabil ist oder das Betreuungsnetz überfordert ist.

Für die spezialisierte Betreuung gibt es diese Angebote:

  • Mobiler Palliativdienst: Ein spezialisiertes Team besucht Kranke zu Hause oder im Heim. Es berät die Hausärztin oder den Hausarzt und die Spitex, zum Beispiel bei schwierigen Schmerzbehandlungen. Auch Angehörige können sich beraten lassen.
  • Palliativstation: eine eigene Abteilung in einem Akutspital, die auf Palliativpatientinnen und -patienten spezialisiert ist.
  • Hospiz: eine Einrichtung für Menschen in der letzten Lebensphase, die weder zu Hause noch im Pflegeheim betreut werden können, für die aber ein Akutspital nicht sinnvoll ist.
Leeres Pflegebett in einem hellen Zimmer mit Blumen
Bild: Trauerportal

Palliativstation: was kommt danach?

Ein Aufenthalt auf der Palliativstation ist zeitlich begrenzt. Viele Patientinnen und Patienten kehren danach nach Hause zurück. Ist das nicht möglich, folgt ein Pflegeheim oder ein Hospiz.

Gründe für einen Eintritt sind laut palliative.ch zum Beispiel schwere körperliche oder seelische Beschwerden, schwierige Entscheidungen, die Planung der künftigen Betreuung oder die Erschöpfung der Angehörigen. Das Ziel ist meist, die Lage zu stabilisieren. Das Kantonsspital Winterthur schreibt, die Aufenthaltsdauer richte sich nach dem Behandlungsziel. Einen Langzeitaufenthalt wie in einem Pflegeheim oder Hospiz bietet die Station nicht an.

Darum gehört zu jedem Aufenthalt die Austrittsplanung, also die gemeinsame Planung, wo und wie die Betreuung weitergeht. Fragen Sie früh danach. Das Team hilft, eine Pflege zu Hause zu organisieren, Angehörige anzuleiten oder einen Platz in einer Langzeitinstitution zu suchen. Ordnet das Spital nach dem Aufenthalt eine Akut- und Übergangspflege an, bezahlen die Krankenkasse und der Wohnkanton diese während höchstens zwei Wochen nach den Regeln der Spitalfinanzierung.

Palliativ: Wie lange noch zu leben?

Wie lange ein Mensch noch zu leben hat, kann niemand genau sagen. Laut palliative.ch lässt sich der Beginn der letzten Lebensphase nicht exakt bestimmen. Sie kann Stunden, Tage, Wochen oder wenige Monate dauern.

Die Fachgesellschaft unterscheidet zwei Begriffe. Die Terminalphase umfasst meist einige Wochen, manchmal Monate, in denen die kranke Person trotz guter Behandlung immer mehr eingeschränkt ist. Die Sterbephase umfasst die letzten Stunden oder Tage des Lebens. Mögliche Zeichen dafür sind ein starkes Schlafbedürfnis, Verwirrtheit, weniger Essen und Trinken, kalte Hände und Füsse und ein veränderter Atemrhythmus.

Wenn Sie wissen möchten, wie es steht, fragen Sie das Behandlungsteam. Es kann beschreiben, was es beobachtet, und Sie auf die nächsten Tage vorbereiten.

Was kostet Palliative Care und wer bezahlt?

Die Kosten teilen sich die Krankenkasse, die Kantone oder Gemeinden und die kranke Person. Die Krankenkasse zahlt einen festen Beitrag an die Pflege zu Hause oder im Pflegeheim. Die Versicherten beteiligen sich in begrenztem Umfang, den Rest zahlen Kanton oder Gemeinde.

Für Massnahmen der Untersuchung und Behandlung, die sogenannte Behandlungspflege, braucht es eine ärztliche Anordnung. Die Patientenbeteiligung legen Kanton oder Gemeinde fest. Sie können sie tiefer ansetzen oder ganz erlassen. Massgebend ist die Regel an Ihrem Wohnort. Franchise und Selbstbehalt kommen dazu.

Ein Aufenthalt auf einer Palliativstation wird nach den Spitaltarifen für spezialisierte Palliative Care mit der Krankenkasse abgerechnet. Anders im Hospiz: Laut dem Dachverband Hospize Schweiz gelten Hospize als Langzeit-Pflegeinstitutionen. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, die sogenannten Hotellerie-Kosten, tragen die Bewohnerinnen und Bewohner selbst.

Wer Ergänzungsleistungen zur AHV oder IV bezieht, erhält Kosten für Hilfe, Pflege und Betreuung zu Hause zurückerstattet, soweit keine Versicherung sie deckt. Den Antrag stellen Sie bei der Stelle für Ergänzungsleistungen, meist bei der kantonalen AHV-Ausgleichskasse.

Leistung Betrag Stand Quelle
Patientenbeteiligung Pflege zu Hause höchstens CHF 15.35 pro Tag Oktober 2026 BAG
Patientenbeteiligung Pflegeheim höchstens CHF 23 pro Tag Oktober 2026 BAG
Patientenbeteiligung spezialisierte Palliativpflege zu Hause, ab 1. Januar 2027 höchstens CHF 22.55 pro Tag Oktober 2026 BAG
Patientenbeteiligung spezialisiertes Pflegeheim, ab 1. Januar 2027 höchstens CHF 30.40 pro Tag Oktober 2026 BAG
Hilflosenentschädigung der AHV, leichter Grad CHF 252 pro Monat Januar 2026 AHV/IV
Hilflosenentschädigung der AHV, mittlerer Grad CHF 630 pro Monat Januar 2026 AHV/IV
Hilflosenentschädigung der AHV, schwerer Grad CHF 1'008 pro Monat Januar 2026 AHV/IV

Hilflosenentschädigung der AHV

Die Hilflosenentschädigung ist ein monatlicher Beitrag an die Pflege- und Betreuungskosten. Hilflos ist, wer für alltägliche Dinge wie Ankleiden, Körperpflege oder Essen dauernd auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Anspruch hat, wer eine Altersrente oder Ergänzungsleistungen bezieht, in der Schweiz wohnt und seit mindestens sechs Monaten ununterbrochen hilflos ist. Den leichten Grad gibt es nur, wenn die Person zu Hause lebt. Einkommen und Vermögen spielen keine Rolle. Die Anmeldung geht an die IV-Stelle des Wohnkantons. Eine Vertreterin oder ein Vertreter kann mit einer Vollmacht unterschreiben.

Welche Unterstützung erhalten Angehörige?

Palliative Care unterstützt ausdrücklich auch die Angehörigen, während der Krankheit und bei Bedarf in der Trauerzeit. Sie müssen nicht alles allein tragen.

  • Beratung: Die 14 regionalen Sektionen von palliative.ch kennen die Angebote in Ihrer Region, beraten bei der Planung der letzten Lebensphase und vermitteln Fachpersonen.
  • Urlaub für die Betreuung: Angestellte erhalten laut dem Bundesamt für Sozialversicherungen höchstens drei Tage pro Ereignis und höchstens zehn Tage pro Jahr Urlaub, um Angehörige zu betreuen.
  • Entlastung: Ambulante Hospizdienste und geschulte Freiwillige begleiten Kranke zu Hause und entlasten so auch die Angehörigen.
  • Vorausplanung: Halten Sie die Wünsche der kranken Person früh fest, solange sie selbst mitreden kann. Hilfe beim Erstellen bietet eine Beratung zur Patientenverfügung.

Was nach einem Todesfall zu erledigen ist, lesen Sie in Todesfall in der Schweiz: die ersten Schritte. Über die Formen der Beisetzung informiert Erdbestattung oder Kremation: die Bestattungsarten in der Schweiz.

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Häufige Fragen

Wie lange dauert Palliativpflege?

Eine feste Dauer gibt es nicht. Palliative Care kann laut palliative.ch schon lange vor der letzten Lebensphase beginnen, auch neben Therapien wie einer Chemotherapie. Ein Aufenthalt auf einer Palliativstation ist dagegen zeitlich begrenzt und richtet sich nach dem Behandlungsziel.

Was kommt nach der Palliativstation?

Viele Patientinnen und Patienten kehren nach der Palliativstation nach Hause zurück, sobald sich ihre Lage stabilisiert hat. Ist das nicht möglich, folgt ein Pflegeheim oder ein Hospiz. Das Spital plant den Austritt gemeinsam mit der kranken Person und den Angehörigen.

Wie lange hat man in der Palliative Care noch zu leben?

Das kann niemand genau sagen. Laut palliative.ch lässt sich der Beginn der letzten Lebensphase nicht exakt bestimmen, sie kann Stunden, Tage, Wochen oder wenige Monate dauern. Das Behandlungsteam kann beschreiben, was es beobachtet, und Angehörige vorbereiten.

Was sind die 4 Säulen der Palliativmedizin?

Der Begriff wird unterschiedlich verwendet. Das Bundesamt für Gesundheit und palliative.ch beschreiben Palliative Care über vier Bereiche: medizinische und pflegerische Behandlung körperlicher Beschwerden sowie psychologische, soziale und spirituelle Unterstützung.

Bezahlt die Krankenkasse die Palliativpflege zu Hause?

Die Krankenkasse zahlt einen festen Beitrag an die Pflege zu Hause, für die Behandlungspflege braucht es eine ärztliche Anordnung. Versicherte zahlen mit Stand Oktober 2026 höchstens CHF 15.35 pro Tag selbst, dazu Franchise und Selbstbehalt; den Rest tragen Kanton oder Gemeinde. Wer Ergänzungsleistungen bezieht, kann ungedeckte Kosten zurückfordern.

Quellen und weiterführende Links

Nicolas HaelgMitgründer und Co-GeschäftsführerNicolas Haelg verantwortet mit Trauerportal den Ratgeber, der Angehörigen in der Schweiz die Schritte nach einem Todesfall verständlich erklärt.Mit KI recherchiert, von Nicolas Haelg geprüft

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