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Todesfall in der Familie: Wie viele freie Tage stehen Angestellten in der Schweiz zu?

Bei einem Todesfall in der Familie haben Angestellte in der Schweiz Anspruch auf freie Tage. Das Obligationenrecht (OR) nennt aber keine feste Zahl. Hier lesen Sie, was gilt, wo Sie die Regel für Ihren Betrieb finden und was Sie tun können, wenn die Tage nicht reichen.

Thomas ZahndTrauerportalVeröffentlicht am 5 Min. Lesezeit
Blumenstrauss in Packpapier auf einem Holztisch am Fenster
Bild: Trauerportal

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Obligationenrecht gibt bei einem Todesfall naher Angehöriger Anspruch auf die «üblichen freien Stunden und Tage». Eine feste Zahl steht nicht im Gesetz.
  • Wie viele Tage es sind, steht meist im Arbeitsvertrag, im Personalreglement oder im Gesamtarbeitsvertrag (GAV).
  • Wer im Monatslohn arbeitet, erhält für diese Tage in der Regel den Lohn. Im Stundenlohn gelten engere Voraussetzungen.
  • Den Bezug sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber ab. Reichen die Tage nicht, können Sie Ferien oder unbezahlten Urlaub anfragen.
Inhalt · 7 Abschnitte

Wenn ein Mensch aus Ihrer Familie stirbt, kommt zur Trauer viel Organisatorisches dazu. Wer angestellt ist, braucht dafür freie Tage. Hier lesen Sie, was das Arbeitsrecht bei einem Todesfall in der Familie vorsieht, wie Sie vorgehen und was Sie tun können, wenn die Tage nicht reichen.

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Freie Tage bei einem Todesfall: so gehen Sie vor

Notizen

Todesfall in der Familie: Was sagt das OR?

Das Obligationenrecht (OR) gibt Angestellten bei einem Todesfall naher Angehöriger Anspruch auf freie Zeit. Eine feste Zahl von Tagen steht nicht im Gesetz.

Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) muss der Arbeitgeber für besondere Anlässe die erforderliche Zeit innerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeit gewähren. Artikel 329 Absatz 3 OR nennt sie die «üblichen freien Stunden und Tage». Zu den besonderen Anlässen zählt das SECO ausdrücklich Familienereignisse wie den Todesfall naher Angehöriger.

Auch das Bundesportal ch.ch nennt den Tod einer oder eines nahen Verwandten als Grund, der Arbeit fernzubleiben. Die fehlende Zeit müssen Sie nicht nachholen. Wie viele Stunden und Tage es sind, ist laut im Gesetz nicht klar geregelt.

Wie viele freie Tage gibt es bei einem Todesfall?

Wie viele Tage Sie erhalten, steht meist in Ihrem Arbeitsvertrag, im Personalreglement oder in einem Gesamtarbeitsvertrag. Ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ist ein Vertrag zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden, der für eine ganze Branche gelten kann.

Das SECO hält fest, dass die üblichen freien Tage in der Praxis oft durch einen GAV, ein Firmenreglement oder den Einzelarbeitsvertrag genauer geregelt sind. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber oder die Personalabteilung, welche Regel in Ihrem Betrieb gilt.

Ein Beispiel ist der Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes (L-GAV). Er sieht beim Tod von Ehefrau oder Ehemann, eingetragener Partnerin oder eingetragenem Partner, Kindern, Eltern, Schwiegereltern, Grosseltern und Geschwistern 1 bis 3 bezahlte arbeitsfreie Tage vor. Das ist der Stand im Oktober 2026. Die Tage gelten für die Zeit vom Tod bis zur Bestattung. Laut dem Kommentar zum L-GAV zählen dabei auch die konkreten Umstände: etwa ob Sie viele Besorgungen übernehmen müssen oder wie weit der Ort der Bestattung entfernt ist. Fällt die Bestattung auf einen Tag, an dem Sie ohnehin frei haben, gibt es dafür keinen zusätzlichen Tag.

Welche Angehörigen zählen?

Das Gesetz zählt die Angehörigen nicht einzeln auf. Das SECO spricht vom Todesfall naher Angehöriger, vom Tod einer oder eines nahen Verwandten.

Eine Beschränkung auf Ehepartner, Eltern und Kinder steht nicht im Gesetz. Viele Verträge legen den Kreis genauer fest. Der L-GAV im Gastgewerbe nennt zum Beispiel auch Schwiegereltern, Grosseltern und Geschwister. Massgebend ist, was in Ihrem Vertrag oder GAV steht.

Werden die freien Tage bezahlt?

Wer im Monatslohn arbeitet, erhält für die freien Tage in der Regel den vollen Lohn. Im Stundenlohn gelten engere Voraussetzungen.

Laut dem SECO besteht ein Lohnanspruch, wenn er vereinbart oder üblich ist. Im Monatslohn ist es üblich, dass der Lohn für diese Abwesenheiten nicht gekürzt wird. Im Stundenlohn gibt es den Lohn nur, wenn die Voraussetzungen von Art. 324a OR erfüllt sind. Dieser Artikel regelt die Lohnzahlung, wenn Angestellte ohne eigenes Verschulden nicht arbeiten können. Diese Zeit ist begrenzt und wird mit anderen Absenzen wie Krankheit zusammengezählt. Ein Arbeitsvertrag darf aber vorsehen, dass alle erlaubten Kurzabsenzen bezahlt werden.

Freie Tage beantragen: wie gehen Sie vor?

Informieren Sie Ihren Arbeitgeber so bald wie möglich und sprechen Sie die freien Tage ab. Das SECO weist darauf hin, dass der Bezug mit dem Arbeitgeber abzusprechen ist.

Kugelschreiber auf einer leeren To-do-Liste
Bild: Trauerportal

Klären Sie im Gespräch, wie viele Tage Ihr Betrieb vorsieht, an welchen Daten Sie fehlen und ob die Tage bezahlt werden. Halten Sie die Abmachung am besten kurz per E-Mail fest. Die freien Tage sind für das gedacht, was mit dem Todesfall zusammenhängt: Formalitäten, die Vorbereitung der Abdankung und die Bestattung selbst.

Vieles müssen Sie nicht allein erledigen. Ein Bestattungsinstitut übernimmt auf Wunsch die Organisation der Bestattung und viele Formalitäten. Welche Schritte in den ersten Tagen anstehen, lesen Sie im Artikel Todesfall in der Schweiz: die ersten Schritte. Wenn Sie über die Bestattungsart entscheiden müssen, hilft der Überblick Erdbestattung oder Kremation: die Bestattungsarten in der Schweiz. Ein Bestattungsunternehmen in Ihrer Region finden Sie im Verzeichnis von trauerportal.ch.

Was tun, wenn die freien Tage nicht reichen?

Reichen die freien Tage nicht, können Sie mit Ihrem Arbeitgeber über Ferientage oder unbezahlten Urlaub sprechen. Beides braucht seine Zustimmung.

Ferien legt laut dem SECO der Arbeitgeber fest. Er muss dabei aber auf Ihre Wünsche Rücksicht nehmen, soweit es mit den Interessen des Betriebs vereinbar ist. Sie können also fragen, ob Sie kurzfristig Ferientage beziehen dürfen. Haben Sie keine Ferientage mehr, können Sie nach unbezahltem Urlaub fragen. Dann arbeiten Sie nicht und erhalten für diese Zeit keinen Lohn.

Lassen Sie sich Zeit mit dem, was nicht sofort erledigt sein muss. Wenn die Trauer Sie stark belastet, kann ein Gespräch mit einer Trauerbegleiterin oder einem Trauerbegleiter helfen.

Sonderfälle: Betreuung vor dem Tod und Tod eines Elternteils nach der Geburt

War Ihr Familienmitglied vor dem Tod krank, gibt es eigene Regeln für die Betreuung. Für den Tod eines Elternteils kurz nach der Geburt gilt ein besonderer Urlaub.

  • Betreuung von Angehörigen: Nach Art. 329h OR haben Angestellte Anspruch auf bezahlten Urlaub, um gesundheitlich beeinträchtigte Familienmitglieder zu betreuen. Laut dem SECO beträgt er mit Stand Oktober 2026 höchstens 3 Tage pro Ereignis und höchstens 10 Tage pro Dienstjahr. Er gilt für Kinder, Ehepartner, eingetragene Partner, Eltern, Geschwister und Personen, mit denen Sie seit mindestens 5 Jahren ohne Unterbruch zusammenleben.
  • Schwer krankes Kind: Berufstätige Eltern eines Kindes, das wegen Krankheit oder Unfall gesundheitlich schwer beeinträchtigt ist, haben laut dem SECO mit Stand Oktober 2026 Anspruch auf einen Betreuungsurlaub von höchstens 14 Wochen innerhalb von 18 Monaten.
  • Tod eines Elternteils nach der Geburt: Laut dem Bundesamt für Sozialversicherungen hat der Vater seit dem 1. Januar 2024 Anspruch auf 14 Wochen Urlaub, wenn die Mutter kurz nach der Geburt stirbt. Er bezieht den Urlaub am Stück ab dem Tag nach dem Tod der Mutter. Stirbt der Vater kurz nach der Geburt, hat die Mutter zusätzlich zum Mutterschaftsurlaub Anspruch auf 2 Wochen Urlaub. Das gilt auch für die Ehefrau der Mutter, wenn sie die Voraussetzungen für den Urlaub des andern Elternteils erfüllt.

Trauerbegleitung finden

Häufige Fragen

Wie viele freie Tage gibt es in der Schweiz bei einem Todesfall in der Familie?

Das Obligationenrecht gibt Anspruch auf die «üblichen freien Stunden und Tage», nennt aber keine feste Zahl. Massgebend sind Ihr Arbeitsvertrag, das Personalreglement oder ein Gesamtarbeitsvertrag. Im Gastgewerbe zum Beispiel sieht der L-GAV mit Stand Oktober 2026 1 bis 3 bezahlte Tage vor.

Bekomme ich beim Tod eines Elternteils frei?

Ja. Der Tod naher Angehöriger gehört zu den besonderen Anlässen, für die der Arbeitgeber nach Art. 329 Abs. 3 OR freie Zeit geben muss. Wie viele Tage es sind, regelt Ihr Betrieb oder Ihr Gesamtarbeitsvertrag. Sprechen Sie den Bezug mit Ihrem Arbeitgeber ab.

Habe ich auch beim Tod der Grosseltern oder Schwiegereltern Anspruch auf freie Tage?

Das Gesetz zählt die Angehörigen nicht einzeln auf, es spricht vom Tod naher Angehöriger oder Verwandter. Viele Verträge regeln den Kreis genauer. Der L-GAV im Gastgewerbe zum Beispiel nennt ausdrücklich auch Schwiegereltern, Grosseltern und Geschwister.

Wird mir der Lohn für die freien Tage bei einem Todesfall bezahlt?

Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) besteht ein Lohnanspruch, wenn er vereinbart oder üblich ist. Im Monatslohn ist es üblich, dass der Lohn nicht gekürzt wird. Im Stundenlohn gibt es den Lohn nur unter den Voraussetzungen von Art. 324a OR oder wenn der Vertrag es vorsieht.

Quellen und weiterführende Links

Thomas ZahndMitgründer und Co-GeschäftsführerThomas Zahnd verantwortet mit Trauerportal den Ratgeber, der Angehörigen in der Schweiz die Schritte nach einem Todesfall verständlich erklärt.Mit KI recherchiert, von Thomas Zahnd geprüft

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