Zum Inhalt
Das Trauerportal

Bestattungsbräuche verschiedener Kulturen: von der Steinzeit bis heute

Bestattungsbräuche zeigen, wie Menschen zu allen Zeiten Abschied genommen haben: von den Neandertalern über Ägypten, Griechenland und Rom bis zu den Friedhöfen in der Schweiz. Hier lesen Sie, was belegt ist und welche Formen heute üblich sind.

Thomas ZahndTrauerportalVeröffentlicht am 7 Min. Lesezeit
Reich verzierte Krypta mit Säulen und Grabmal in einer alten Kirche
Bild: Trauerportal

Das Wichtigste in Kürze

  • Einige Neandertaler haben ihre Toten nach heutigem Wissen absichtlich bestattet. Die Neandertaler sind vor etwa 40'000 Jahren ausgestorben.
  • Ein Grab in der Shanidar-Höhle galt lange als Beleg für eine Bestattung mit Blumen. Eine Studie von 2023 hält es für wahrscheinlich, dass zumindest ein Teil der Blütenpollen von Wildbienen stammt.
  • Im antiken Griechenland gehörten drei Schritte zur Bestattung: das Aufbahren, der Trauerzug und die Beisetzung.
  • In der Schweiz wurden 2023 laut dem Schweizerischen Verband der Bestattungsdienste rund 90 Prozent der Verstorbenen kremiert.
  • Wo die Asche beigesetzt oder verstreut werden darf, regeln der Kanton und die Gemeinde.
Inhalt · 8 Abschnitte

Bestattungsbräuche zeigen, wie Menschen zu allen Zeiten mit dem Tod umgegangen sind. Dieser Beitrag führt Sie von den ersten Spuren bei den Neandertalern über Ägypten, Griechenland und Rom bis zu den Friedhöfen in der Schweiz. Am Schluss lesen Sie, welche Formen heute üblich sind und was Sie bei einer Abschiedsfeier selbst gestalten können.

Was sind Bestattungsbräuche?

Bestattungsbräuche sind die Handlungen, mit denen eine Gemeinschaft ihre Toten verabschiedet und beisetzt. Dazu gehören der Umgang mit dem Körper, die Form des Grabes und die Rituale der Trauernden.

Bestattungsrituale in verschiedenen Kulturen sehen sehr unterschiedlich aus. Ein Gedanke zieht sich aber durch viele Beispiele in diesem Beitrag: Die Toten sollen würdig behandelt werden, und die Lebenden wollen sich an sie erinnern.

Neandertaler-Bestattung: die ältesten Spuren

Einige Neandertaler haben ihre Toten wohl absichtlich bestattet. Laut der Max-Planck-Gesellschaft gibt es Hinweise darauf, dass manche von ihnen ihre Toten in Gräbern beisetzten.

Die Neandertaler sind eine ausgestorbene Menschenform und die nächsten Verwandten der heutigen Menschen. Die ältesten bekannten Neandertaler sind laut der Max-Planck-Gesellschaft etwa 400'000 Jahre alt. Vor etwa 40'000 Jahren sind sie ausgestorben.

Ein bekannter Fundort ist die Shanidar-Höhle im irakischen Kurdistan. In den 1950er-Jahren fand der Archäologe Ralph Solecki dort Überreste von zehn Neandertalern: Männer, Frauen und Kinder. Bei einem Skelett lagen Klumpen von Blütenpollen. Solecki schloss daraus, dass die Neandertaler ihre Toten mit Blumen bestatteten. Die Deutung als «Blumengrab» wurde berühmt und war jahrzehntelang umstritten.

Neuere Forschung zeichnet ein vorsichtigeres Bild:

  • 2018 und 2019 legten Forschende der Universitäten Cambridge, Birkbeck und Liverpool John Moores in der Höhle ein weiteres Skelett frei, genannt Shanidar Z. Erste Analysen datieren es auf über 70'000 Jahre. Laut der Universität Cambridge gibt es starke Hinweise, dass dieser Mensch absichtlich begraben wurde.
  • Mehrere Tote lagen dicht beieinander. Die Forschenden halten es für möglich, dass die Neandertaler ihre Toten wiederholt an dieselbe Stelle in der Höhle brachten.
  • Eine Studie aus dem Jahr 2023 hat die Pollenfunde neu ausgewertet. Sie hält es für wahrscheinlich, dass zumindest ein Teil der Pollen von nistenden Wildbienen stammt. Die Blumenbestattung ist damit nicht belegt. Laut der Studie bleibt der Fund trotzdem wichtig, weil die Skelette dort absichtlich niedergelegt wurden.

Altes Ägypten: Mumien und Kanopen

Im alten Ägypten wurden die Körper der Verstorbenen mumifiziert, also haltbar gemacht. Die inneren Organe wurden dabei oft getrennt behandelt und in eigenen Gefässen aufbewahrt.

Diese Gefässe heissen Kanopen. Laut dem Metropolitan Museum of Art in New York gehörte ein Satz von vier Kanopen in den meisten Epochen der ägyptischen Geschichte zu einem Begräbnis. Die Deckel zeigen oft die Köpfe von vier Schutzgöttern, den Söhnen des Horus. Jeder wachte über ein Organ: Leber, Lunge, Magen und Därme. In einer späteren Zeit legte man die Organe wieder in die Mumie zurück. Die Kanopen kamen trotzdem weiter mit ins Grab, als Zeichen des göttlichen Schutzes.

Ägyptischer Mumiensarg in einem dunklen Ausstellungsraum
Bild: Trauerportal

Bestattung im antiken Griechenland

Im antiken Griechenland war eine richtige Bestattung eine Frage der Würde. Laut dem Metropolitan Museum of Art galt es in den antiken Texten als Verletzung der Menschenwürde, einem Toten die Bestattung zu verweigern.

Die Griechen glaubten, dass im Moment des Todes die Seele den Körper als kleiner Hauch verlässt. Die Unterwelt, über die der Gott Hades herrschte, stellten sie sich als freudlosen Ort vor. Die Bestattung übernahmen die Angehörigen, vor allem die Frauen. Sie verlief in drei Schritten:

  1. Prothesis (Aufbahrung): Der Leichnam wurde gewaschen, mit Öl gesalbt, angekleidet und im Haus auf ein hohes Bett gelegt. Verwandte und Freunde kamen, um zu trauern und Abschied zu nehmen.
  2. Ekphora (Trauerzug): Der Zug brachte den Toten zum Friedhof, meist kurz vor dem Morgengrauen.
  3. Beisetzung: Beigesetzt wurde entweder der Körper oder die Asche nach einer Einäscherung.

Ins Grab legte man nur wenige Gegenstände. Wichtiger waren Grabhügel, Grabbauten und Grabsteine aus Marmor, damit niemand die Verstorbenen vergass. Die Frauen in Athen besuchten die Gräber regelmässig und brachten kleine Kuchen und Trankopfer mit. Ein grosser Friedhof lag im Kerameikos, einem Gebiet am Nordwestrand von Athen ausserhalb der Stadtmauer. Er wurde über Jahrhunderte genutzt.

Bestattung im alten Rom

Im alten Rom wechselten sich Erdbestattung und Feuerbestattung ab. Oft gab es beide Formen nebeneinander, manchmal sogar im selben Grabbau.

Laut der International Catacomb Society war im frühen Rom die Körperbestattung üblich. Etwa ab dem Ende des 5. Jahrhunderts vor Christus wurde die Einäscherung beliebter. Für die Urnen entstanden Kolumbarien. Ein Kolumbarium ist ein Grabbau mit vielen kleinen Nischen für Urnen, benannt nach seiner Ähnlichkeit mit einem Taubenschlag. Es gab öffentliche und private Kolumbarien, einfach oder prächtig, je nach den Mitteln der Besitzer.

Unter Kaiser Trajan, der von 98 bis 117 nach Christus regierte, ging die Einäscherung zurück. Die Erdbestattung setzte sich wieder durch. Juden, Christen und andere Glaubensgemeinschaften bevorzugten sie aus religiösen Gründen. Wohlhabende Familien liessen ihre Toten nun in kunstvoll verzierten Steinsärgen, den Sarkophagen, beisetzen.

Vom Kirchhof zum Parkfriedhof: die Entwicklung in der Schweiz

Im Mittelalter rückten Kirche und Friedhof eng zusammen. Später wurden die Friedhöfe wieder vor die Städte verlegt und im 19. Jahrhundert wie Parks gestaltet.

Das Historische Lexikon der Schweiz beschreibt diese Entwicklung so:

  • Spätantike und Frühmittelalter: Die Toten wurden vor allem auf Gräberfeldern oder in Kirchen begraben, wie Funde in Sitten und Chur zeigen.
  • Ab der Karolingerzeit: Viele wollten in der Nähe von Altären mit Reliquien bestattet werden. Von den Heiligen erhoffte man Fürsprache beim Jüngsten Gericht. Kirche und Friedhof gehörten von da an zusammen. Den Friedhof nannte man meist Kirchhof. Er lag mitten in der Siedlung und war ein belebter Ort, an dem auch Gericht gehalten und Markt abgehalten wurde.
  • Reformation: In reformierten Gebieten mussten Grabzeichen und Grabschmuck von den Friedhöfen entfernt werden. Wegen Seuchen wie der Pest legte man im 16. Jahrhundert vereinzelt Friedhöfe ausserhalb der Wohngebiete an.
  • Aufklärung: Viele Schweizer Städte verlegten ihre Begräbnisplätze aus hygienischen Gründen vor die Stadttore.
  • Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Die Friedhöfe wurden nach englischem Vorbild wie Parks gestaltet, zum Beispiel Kannenfeld (1868) und Wolf (1872) in Basel oder Sihlfeld (1877) in Zürich. In Schaffhausen (1914) und Davos (1918) entstanden Waldfriedhöfe.
Alter Friedhof mit Steinkreuz, Grabsteinen und Blumen
Bild: Trauerportal

Bestattungsbräuche in der Schweiz heute

Heute ist die Kremation die häufigste Bestattungsart in der Schweiz. Daneben gibt es Gemeinschaftsgräber, Bestattungen in der Natur und eigene Grabfelder für verschiedene Religionen.

Eine Kremation ist eine Einäscherung des Leichnams. Laut dem Schweizerischen Verband der Bestattungsdienste wurden im Jahr 2023 rund 90 Prozent der Verstorbenen in der Schweiz kremiert. Im Jahr 2000 waren es etwa 70 Prozent, 1950 knapp 20 Prozent. Bei einer Erdbestattung muss der Sarg auf einem Friedhof beigesetzt werden. Für die Urne gibt es laut dem Verband keine Pflicht, sie auf einem Friedhof beizusetzen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Erdbestattung oder Kremation: die Bestattungsarten in der Schweiz.

Das Historische Lexikon der Schweiz nannte schon 2005 mehrere Entwicklungen:

  • Mehr Menschen wählen ein Gemeinschaftsgrab, in dem mehrere Verstorbene ohne eigenes Grabmal beigesetzt werden.
  • Bei Trauerritualen, Grabschmuck und Grabgestaltung wird mehr Wert auf eine persönliche Note gelegt.
  • In Bern und anderen grösseren Städten gibt es Grabfelder für Musliminnen und Muslime, die nach Mekka ausgerichtet sind.
  • Naturnahe Bestattungsorte werden beliebter. Beim Friedwald, einem Projekt aus Mammern, wird die Asche zu den Wurzeln von Waldbäumen gegeben.

Wo die Asche beigesetzt oder verstreut werden darf, legen der Kanton und die Gemeinde fest. Massgebend sind die Regeln an Ihrem Wohnort. Das Bestattungsamt Ihrer Gemeinde oder das Bestattungsinstitut gibt Ihnen Auskunft.

Asche ausserhalb von Friedhöfen
KantonRegelStandQuelle
ThurgauAsche darf ausserhalb von Friedhöfen nur in dafür bestimmten Gebieten beigesetzt werden, zum Beispiel in Waldfriedhöfen. In Seen, Flüssen und Bächen sowie aus der Luft ist das nicht erlaubt. Die Asche kann den Angehörigen überlassen werden.Februar 2020Kanton Thurgau, Amt für Umwelt

Die Regeln können sich ändern. Massgebend sind die Angaben des Kantons oder Ihrer Gemeinde.

Auch der Ort des Sterbens hat sich verändert. Viele Menschen sterben heute nicht zu Hause. Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium Obsan hat im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit die Jahre 2006 bis 2011 ausgewertet. Bei den Männern ereigneten sich rund 45 Prozent der Todesfälle im Spital und 27 Prozent im Alters- und Pflegeheim. Bei den Frauen waren es rund 35 Prozent im Spital und rund 50 Prozent im Alters- und Pflegeheim.

Was Sie für die Abschiedsfeier selbst entscheiden können

Viele Bräuche von früher leben bis heute weiter: die Aufbahrung, der Trauerzug, der Grabbesuch. Sie dürfen auswählen, was für Ihre Familie stimmig ist.

Nach einem Todesfall müssen Sie nicht alles sofort entscheiden. Vieles übernimmt das Bestattungsinstitut: Es berät Sie zur Bestattungsart, zur Abdankung und zu den Formalitäten. Ob die Feier kirchlich oder mit einer Trauerrednerin oder einem Trauerredner stattfindet, ob sie gross oder im kleinen Kreis ist, bestimmen Sie. Welche Schritte zuerst nötig sind, lesen Sie im Beitrag Todesfall in der Schweiz: die ersten Schritte.

Bestattungsunternehmen in Ihrer Nähe finden

Häufige Fragen

Seit wann bestatten Menschen ihre Toten?

Laut der Max-Planck-Gesellschaft gibt es Hinweise, dass schon einige Neandertaler ihre Toten in Gräbern bestatteten. In der Shanidar-Höhle im irakischen Kurdistan fanden Forschende ein Neandertaler-Skelett, das über 70'000 Jahre alt ist. Laut der Universität Cambridge gibt es starke Hinweise, dass dieser Mensch absichtlich begraben wurde.

Haben Neandertaler ihre Toten mit Blumen bestattet?

Das ist nicht belegt. In den 1950er-Jahren fand man bei einem Neandertaler-Skelett in der Shanidar-Höhle Klumpen von Blütenpollen und deutete sie als Blumenbestattung. Eine Studie von 2023 hält es für wahrscheinlich, dass zumindest ein Teil der Pollen von nistenden Wildbienen stammt.

Wie lief eine Bestattung im antiken Griechenland ab?

Die Angehörigen, vor allem die Frauen, wuschen den Leichnam, salbten ihn mit Öl, kleideten ihn an und bahrten ihn im Haus auf. Danach folgte ein Trauerzug zum Friedhof, meist kurz vor dem Morgengrauen. Zum Schluss wurden der Körper oder die Asche beigesetzt. Ins Grab legte man nur wenige Gegenstände, wichtig waren Grabmal und Erinnerung.

Welche Bestattungsart ist in der Schweiz heute am häufigsten?

Die Kremation, also die Einäscherung. Laut dem Schweizerischen Verband der Bestattungsdienste wurden 2023 rund 90 Prozent der Verstorbenen in der Schweiz kremiert, im Jahr 2000 waren es etwa 70 Prozent. Ein Sarg muss auf einem Friedhof beigesetzt werden, für die Urne gilt das nicht überall gleich.

Darf man in der Schweiz die Asche eines Verstorbenen verstreuen?

Das hängt vom Kanton und von der Gemeinde ab. Im Kanton Thurgau ist es zum Beispiel nur in dafür bestimmten Gebieten wie Waldfriedhöfen erlaubt, nicht aber in Gewässern oder aus der Luft. Fragen Sie beim Bestattungsamt Ihrer Gemeinde oder beim Bestattungsinstitut nach.

Quellen und weiterführende Links

Thomas ZahndMitgründer und Co-GeschäftsführerThomas Zahnd verantwortet mit Trauerportal den Ratgeber, der Angehörigen in der Schweiz die Schritte nach einem Todesfall verständlich erklärt.Mit KI recherchiert, von Thomas Zahnd geprüft

Weitere Ratgeber