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Trauerrednerin und Trauerredner: Ausbildung in der Schweiz, Beruf, Berufung

Wie wird man Trauerrednerin oder Trauerredner? Hier erfahren Sie, welche Ausbildung es in der Schweiz gibt, was sie kostet und was dieser Beruf verlangt. Und Sie lesen, was Angehörige über die freie Trauerfeier wissen sollten.

Nicolas HaelgTrauerportalVeröffentlicht am 6 Min. Lesezeit
Trauerrednerin spricht mit einer Frau, Schwarz-Weiss-Aufnahme
Bild: Trauerportal

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine freie Trauerfeier ist eine Abschiedsfeier ohne kirchliche Leitung. Eine Trauerrednerin oder ein Trauerredner gestaltet und leitet sie.
  • Laut den Anbietern ist «Trauerredner» kein geschützter Titel. Eine Ausbildung ist freiwillig, aber eine gute Grundlage.
  • In der Schweiz bieten private Schulen Lehrgänge mit eigenem Zertifikat an. Sie dauern rund 10 bis 12 Kurstage und kosten zwischen CHF 4'700 und CHF 4'950. Stand: Oktober 2026.
  • Im Kanton Zürich sind die Gemeinden für Friedhöfe und Bestattungen zuständig. Eine freie Trauerfeier ist dort auch auf dem Friedhof möglich.
Inhalt · 8 Abschnitte

Immer mehr Familien möchten den Abschied von einem nahen Menschen persönlich gestalten, auch ohne kirchliche Feier. Dabei hilft eine Trauerrednerin oder ein Trauerredner. In diesem Artikel lesen Sie, was dieser Beruf umfasst, welche Ausbildung es in der Schweiz gibt und woran Angehörige eine erfahrene Fachperson erkennen.

Was ist eine freie Trauerfeier?

Eine freie Trauerfeier ist eine Abschiedsfeier, die keine Pfarrerin und kein Pfarrer leitet, sondern zum Beispiel eine Trauerrednerin oder ein Trauerredner. Im Mittelpunkt stehen das Leben und das Wirken der verstorbenen Person.

Oft gehören zu einer solchen Feier Erinnerungen und Geschichten aus dem Leben der verstorbenen Person, dazu Musik und Rituale. Ein Ritual ist eine symbolische Handlung, etwa das Anzünden einer Kerze. Das Netzwerk Amanos beschreibt die freie Abschiedszeremonie als zeitgemässe Alternative zur kirchlichen Trauerfeier. Sie kann auf einem Friedhof oder an einem anderen Ort stattfinden, den die Familie wählt.

Für die Beisetzung von Sarg oder Urne gelten die Regeln des Kantons und der Gemeinde. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Erdbestattung oder Kremation: die Bestattungsarten in der Schweiz.

Was macht eine Trauerrednerin oder ein Trauerredner?

Eine Trauerrednerin oder ein Trauerredner bereitet mit den Angehörigen die Abschiedsfeier vor, schreibt die Trauerrede und leitet am Tag der Abdankung durch die Feier. Die Abdankung ist die Trauerfeier für die verstorbene Person.

Trauerrednerin spricht mit einer Frau, Schwarz-Weiss-Aufnahme
Im Vorgespräch erzählen die Angehörigen aus dem Leben der verstorbenen Person. Bild: Trauerportal

Die Arbeit läuft meist in diesen Schritten ab:

  • Vorgespräch: Die Trauerrednerin oder der Trauerredner hört sich die Lebensgeschichte an und fragt nach Wünschen und Vorstellungen der Familie.
  • Gestaltung: Daraus entstehen Ideen für den Ablauf, für Musik und Rituale.
  • Rede: Die Fachperson schreibt eine persönliche Abschiedsrede.
  • Organisation: Sie stimmt Beiträge von weiteren Personen ab, etwa von Familienmitgliedern oder von Musikerinnen und Musikern.
  • Leitung: Am Tag der Feier führt sie durch die Zeremonie und achtet auf einen ruhigen Ablauf.

Für Angehörige heisst das: Vieles können Sie abgeben. Pro Senectute nennt in ihrer Checkliste für den Todesfall die Pfarrerin oder den Pfarrer, Ritualberater und Bestattungsrednerinnen als mögliche Ansprechpersonen für die Trauerfeier. Ob Sie nur einzelne Aufgaben abgeben oder alles, entscheiden Sie selbst. Einen Überblick über die ersten Tage gibt der Artikel Todesfall in der Schweiz: die ersten Schritte.

Ausbildung zur Trauerrednerin oder zum Trauerredner: welche Lehrgänge gibt es in der Schweiz?

In der Schweiz bieten private Schulen Lehrgänge an, die mit einem eigenen Zertifikat abschliessen. Einen staatlich anerkannten Abschluss gibt es nicht. Zwei Anbieter mit Lehrgängen für freie Trauerfeiern sind die Zeremonien-Akademie und die Talentschmiede für Zeremonien.

Kursleiterin am Flipchart mit Teilnehmerinnen einer Ausbildung
Bild: Trauerportal

Die Angaben in der folgenden Tabelle haben den Stand Oktober 2026.

Lehrgang Dauer Kosten Abschluss Quelle
Zeremonien-Akademie: «Ausbildung zum zertifizierten Trauerredner» 12 Präsenztage, über 9 Monate von September bis Mai oder kompakt über 4 Monate von Februar bis Mai CHF 4'950, ohne Übernachtung und Verpflegung beim Seminar; CHF 300 Rabatt bei Anmeldung bis 4 Monate vor dem Start Zertifikat der Zeremonien-Akademie Zeremonien-Akademie
Talentschmiede für Zeremonien: «Zert. Trauerrednerin & Trauerredner» 10 Module an über 10 Tagen, Module auch einzeln buchbar CHF 4'700 inkl. MWST; Einzelmodul CHF 500 für 1 Tag oder CHF 700 für 1,5 Tage Zertifikat mit Qualitätssiegel der Talentschmiede Talentschmiede für Zeremonien

Zeremonien-Akademie: Den Lehrgang für Trauerfeiern führt die Schule laut eigenen Angaben seit 2021 zweimal pro Jahr durch. Die Inhalte reichen von der Planung von Trauerfeiern über Familiensysteme in der Trauer, Storytelling und Rhetorik bis zu Marketing und selbstständigem Arbeiten. Dazu kommt ein Besuch bei einem Bestattungsunternehmen und im Krematorium. Vor der Anmeldung ist ein telefonisches Vorgespräch mit der Lehrgangsleitung obligatorisch. Für das Zertifikat braucht es unter anderem eine aktive Teilnahme, einen Ablaufplan einer echten Zeremonie und eine bestandene Prüfung mit einer fiktiven Zeremonie.

Talentschmiede für Zeremonien: Die Module behandeln unter anderem Trauerpsychologie und den Umgang mit Angehörigen, Rituale, Schreiben und Storytelling, Rhetorik, Stimme und Technik sowie die Selbstständigkeit. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufslehre. Für den Abschluss braucht es eine Anwesenheit von mindestens 80 Prozent und eine Abschlussprüfung, in der die Teilnehmenden eine selbst geschriebene Trauerfeier vorstellen.

Kursdaten und Preise können sich ändern. Massgebend sind die Angaben der Anbieter.

Wer kann Trauerrednerin oder Trauerredner werden?

Grundsätzlich jede Person. Laut der Talentschmiede für Zeremonien ist die Bezeichnung «Trauerredner» kein geschützter Titel: Jede Person darf sich so nennen und Trauerfeiern leiten.

Wer in diesem Beruf dauerhaft arbeiten möchte, braucht einige Eigenschaften:

  • die Bereitschaft, sich immer wieder mit Tod, Verlust und Sterben auseinanderzusetzen
  • Einfühlungsvermögen im Gespräch mit trauernden Familien
  • Freude am Schreiben und am Sprechen vor Menschen
  • Organisationstalent und Freude an selbstständiger Arbeit

Laut den Anbietern lässt sich die Tätigkeit hauptberuflich oder als zweites Standbein ausüben. Bei der Zeremonien-Akademie ist es möglich, schon während der Ausbildung die ersten Feiern zu leiten.

Wenn Sie selbst gerade einen Menschen verloren haben und darum an diesen Beruf denken: Die Talentschmiede weist darauf hin, dass ihr Lehrgang keine Hilfe bei der Verarbeitung eines eigenen Verlusts bietet. Dafür gibt es eine Trauerbegleitung.

Netzwerke und Berufsverband für Trauerrednerinnen und Trauerredner

Nach der Ausbildung können sich Trauerrednerinnen und Trauerredner einem Netzwerk oder einem Berufsverband anschliessen. Dort finden sie Austausch, Weiterbildung und Aufträge.

  • Amanos bezeichnet sich als Netzwerk von freien Trauerrednerinnen und Trauerrednern in der Schweiz und vermittelt Fachpersonen an Familien. Laut der Zeremonien-Akademie können Absolventinnen und Absolventen mit Zertifikat und ersten durchgeführten Aufträgen dem Netzwerk beitreten. Amanos und die Zeremonien-Akademie gehören beide zur Circle of Life GmbH.
  • Der Berufsverband Schweizerischer ZeremonienleiterInnen (SZL) setzt sich nach eigenen Angaben für Ausbildungsstandards ein und strebt eine längerfristige Anerkennung des Berufs an. Aktivmitglied wird, wer mindestens 5 Zeremonien geleitet hat, pro Jahr mindestens 8 Zeremonien durchführt, den Ehrenkodex akzeptiert und ein Aufnahmegespräch führt. Stand: Oktober 2026.

Woran erkennen Angehörige eine erfahrene Trauerrednerin oder einen erfahrenen Trauerredner?

Ein Zertifikat, Erfahrung und ein gutes erstes Gespräch geben Ihnen Sicherheit. Weil der Titel nicht geschützt ist, lohnt es sich, nachzufragen.

Hilfreiche Fragen im ersten Gespräch:

  • Wie viele Abschiedsfeiern haben Sie schon geleitet?
  • Haben Sie eine Ausbildung gemacht, und sind Sie Mitglied in einem Netzwerk oder Verband?
  • Wie läuft das Vorgespräch ab, und wann sehen wir die Rede?
  • Was kostet die Feier, und was ist im Preis enthalten?

Die Preise legen die Trauerrednerinnen und Trauerredner selbst fest. Amanos schreibt zum Beispiel, dass sich die Preise nach den Wünschen der Familie richten. Fragen Sie darum vorher nach einer Offerte. Auch das Bestattungsinstitut kann Ihnen Fachpersonen empfehlen.

Ist eine freie Trauerfeier auf dem Friedhof erlaubt?

Ja, im Kanton Zürich ist das ohne Weiteres möglich. Dort sind die politischen Gemeinden für das Bestattungswesen zuständig, nicht die Kirchen. Laut der Zürcher Bestattungsverordnung legen die Gemeinden die Friedhöfe an und unterhalten sie. Ausserdem stellen sie auf dem Friedhof oder in seiner Nähe einen würdigen Raum für Abdankungen zur Verfügung.

Der Zürcher Regierungsrat schreibt in seiner Begründung zur Verordnung, dass alle gleich behandelt werden, ohne Rücksicht auf Stand, Konfession und Todesart. Wer nicht Mitglied einer Kirche war, kann also ebenfalls auf dem Gemeindefriedhof bestattet werden.

Die Regeln sind je nach Kanton und Gemeinde unterschiedlich. Massgebend ist das Bestattungsamt der Wohngemeinde. Es gibt Auskunft über Räume, Zeiten und Abläufe.

Beruf oder Berufung?

Eine Trauerrednerin oder ein Trauerredner begleitet Familien in einer der schwersten Zeiten ihres Lebens. Diese Aufgabe verlangt Sorgfalt, Achtsamkeit und die Bereitschaft, sich ganz auf die Geschichte eines anderen Menschen einzulassen.

Viele, die diesen Weg wählen, erleben die Dankbarkeit der Familien als wichtigen Teil ihrer Arbeit. Wer sich für die Ausbildung interessiert, kann sich vorher im Gespräch mit der Lehrgangsleitung oder an einer Infoveranstaltung ein Bild machen. Beide Anbieter nennen solche Möglichkeiten auf ihren Websites.

Suchen Sie für eine Abdankung eine Trauerrednerin oder einen Trauerredner in Ihrer Nähe? Im Verzeichnis von trauerportal.ch finden Sie Fachpersonen nach Region.

Trauerrednerin oder Trauerredner finden

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Ausbildung zur Trauerrednerin oder zum Trauerredner in der Schweiz?

Die Lehrgänge in der Schweiz dauern rund 10 bis 12 Kurstage. Bei der Zeremonien-Akademie sind es 12 Präsenztage, verteilt auf 9 Monate oder kompakt auf 4 Monate. Die Talentschmiede für Zeremonien bietet 10 Module an über 10 Tagen an. Stand: Oktober 2026.

Was kostet eine Trauerredner-Ausbildung in der Schweiz?

Laut den Anbietern kostet der Lehrgang der Zeremonien-Akademie CHF 4'950, ohne Übernachtung und Verpflegung beim Seminar. Bei der Talentschmiede für Zeremonien kostet der Lehrgang CHF 4'700 inklusive Mehrwertsteuer, einzelne Module gibt es ab CHF 500. Stand: Oktober 2026.

Braucht es eine Ausbildung, um als Trauerrednerin oder Trauerredner zu arbeiten?

Nein. Laut den Anbietern ist die Bezeichnung «Trauerredner» kein geschützter Titel, und es gibt keinen staatlich anerkannten Abschluss. Die Lehrgänge der privaten Schulen enden mit einem eigenen Zertifikat. Sie vermitteln Wissen über Trauer, Rituale, Redenschreiben und die Arbeit als Selbstständige oder Selbstständiger.

Darf eine freie Trauerfeier auf dem Friedhof stattfinden?

Im Kanton Zürich sind die politischen Gemeinden für das Bestattungswesen zuständig. Sie legen die Friedhöfe an und stellen einen würdigen Raum für Abdankungen zur Verfügung. Laut dem Regierungsrat gilt dabei Gleichheit für alle, ohne Rücksicht auf die Konfession. In anderen Kantonen gibt das Bestattungsamt der Wohngemeinde Auskunft.

Wie finde ich eine Trauerrednerin oder einen Trauerredner für eine Abdankung?

Viele Bestattungsinstitute vermitteln Trauerrednerinnen und Trauerredner. Ausserdem gibt es Verzeichnisse und Netzwerke wie Amanos oder den Berufsverband Schweizerischer ZeremonienleiterInnen. Auf trauerportal.ch finden Sie Trauerrednerinnen und Trauerredner nach Region.

Quellen und weiterführende Links

Nicolas HaelgMitgründer und Co-GeschäftsführerNicolas Haelg verantwortet mit Trauerportal den Ratgeber, der Angehörigen in der Schweiz die Schritte nach einem Todesfall verständlich erklärt.Mit KI recherchiert, von Nicolas Haelg geprüft

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